3:14:40 h beim Berlin Marathon!!!
Sonntag, September 28th, 2008Heimlich habe ich damit spekuliert, aber dass es Wirklichkeit wird, habe ich nicht unbedingt erwartet. Die 3:15 ist geknackt! Angehen wollte ich die erste Hälfte in 4:43 min/km, was zu einer Endzeit von knapp unter 3:20 h geführt hätte. Danach würde man sehen. Der erste Teil hat super funktioniert, war eher noch einen Tick zu schnell. Zur Halbzeit hatte ich so einen Vorsprung von 50 Sekunden. Die zweite Hälfte sollte dann in 4:31 min/km gelaufen werden, was mir nicht ganz gelungen ist, allerdings auch nicht notwendig war wegen dieser 50 Sekunden. Zum Ende hin ist es zwar noch einmal knapp geworden und da die letzten 4-5 km auch recht schwer waren, war ich auch manchmal ziemlich am zweifeln. Am Ende hat es jedenfalls geklappt.
Im Nachhinein war der Lauf optimal getimt und auch mit dem Training habe ich scheinbar alles richtig gemacht. Nun heißt es erst einmal pausieren und auf ein neues am 24. Mai 2009 in Würzburg. Hier aber noch mein Laufbericht:
Samstagmorgen um 8:20 Uhr, es ist so weit… Irgendwie war die Zeit in den letzten Wochen doch sehr schnell vergangen, so dass das Warten auf Berlin erträglich war. Und heute stehen wir nun endlich auf dem Bahnsteig und warten auf die S-Bahn.
Bis Berlin-Spandau erfolgte die Anreise zum Glück gänzlich stressfrei, der ICE kam tatsächlich auf die Minute pünktlich an. Diesmal entschieden wir uns nämlich dazu, statt am Hauptbahnhof schon in Berlin-Spandau auszusteigen, denn im Gegensatz zu den letzten Jahren befand sich die Marathonmesse nicht mehr auf dem ICC-Gelände (Messegelände) sondern im so genannten „Kabelwerk“, ein ehemaliger Produktionsort von Siemens. Nach der Ankunft in Spandau verschlossen wir zunächst einmal unser Gepäck in den Schließfächern und machten uns per U-Bahn auf den Weg zur Messe um dort die Startunterlagen abzuholen. Die Anreise dorthin verlief zügig aber das war es dann auch mit den positiven Erfahrungen mit der BVG und der Organisation des Marathons überhaupt. Eine Unmenge von Menschen drängte sich nach der Ankunft durch die U-Bahn-Station Paulsternstraße. Ok, es sind ja angeblich nur ein paar Hundert Meter Fußweg bis dorthin. Zwar sollte es auch einen Shuttle-Bus geben, aber wir waren durch diverse Internetforen vorgewarnt worden. Und tatsächlich, die engen Straßen waren nicht in der Lage, den enormen Verkehr aufzunehmen. Stau und totales Verkehrschaos waren die Folge. Wie gut, dass wir zu Fuß unterwegs sind! Leider stellte sich jedoch schnell heraus, dass aus den wenigen Hundert Metern ca. 2 Kilometer wurden. Schon leicht genervt kamen wir also auf der Messe an, die wir erst einmal zwangsweise komplett durchlaufen mussten, um an die Startnummernausgabe zu kommen. Schon das alleine hat uns fast eine halbe Stunde Zeit gekostet. Dort mussten wir uns dann auch noch trennen, da nur Teilnehmer in diesem Bereich zugelassen waren. Immerhin kam ich dann doch recht schnell an meine Startnummer (16729) und mein vorbestelltes, diesmal hellblaues Finisher-Shirt. Anschließend mussten wir uns nochmals 20 Minuten am Helpdesk anstellen, um einen besseren Startblock zu erhalten, in den ich aufgrund meiner Vorleistung im Halbmarathon wechseln durfte. Immerhin nun Block D. Danach hieß es wieder ab durch das Gedränge zum Ausgang um den Startbeutel mit diversen kleinen Werbeartikeln und Prospekten abzuholen. Da hier überhaupt nicht kontrolliert wurde, ergatterten wir „zur Strafe“ für den ganzen Stress gleich zwei von diesen Beuteln
Die Lust uns noch ein paar Minuten auf der Messe aufzuhalten war uns jedenfalls vergangen und ich denke, anderen Besuchern wird es ähnlich ergangen sein. Vielleicht sollte man das von Seiten der Hersteller bedenken, die ja auf der Messe Verkaufen wollen.
Nach dem Abholen unseres Gepäcks in Spandau und der Fahrt zum Hotel war dann endlich ein wenig Ruhe angesagt. Die Beine etwas hochzulegen war nun auch bitter nötig. Nur ein paar Stunden später mussten wir uns allerdings schon wieder über eine halbe Stunde lang die Beine in den Bauch stehen. Vor dem langen Lauf morgen mussten ja schließlich noch die Kohlenhydratspeicher mit einem guten Essen aufgefüllt werden. Hierzu waren wir auf die Verkehrsbertreibe angewiesen, da die nächsten Restaurants ein paar gute Kilometer vom Hotel entfernt sind. Leider kam minutenlang keine Tram die Schienen entlang. Erst nach etwa 40 Minuten, als wir schon aufgeben wollten, kam sie doch noch in Sichtweite. Naja, hauptsache am Marathontag passiert so etwas nicht… aber das lange Stehen hat meinen Beinen endgültig den Rest gegeben. Nach dem Essen im “Olivenbaum“ in Pankow, welches wirklich vorzüglich war, ging es dann recht schnell ab ins Bett und soweit ich mich noch erinnern kann, bin ich auch recht schnell eingeschlafen.
Um 4:50 Uhr war die Nacht allerdings schon wieder vorbei. Der Straßenlärm hatte mich irgendwie geweckt und an noch einmal einschlafen war nicht mehr zu denken. Auch gut, so konnte ich die nötigen Vorbereitungen in aller Ruhe angehen lassen. Ist die Startnummer dabei, sind die Schuhe fest gebunden, Handy, Taschentücher, Foto etc eingepackt? Und der Chip, den darf ich keinesfalls vergessen! Um kurz vor 6 Uhr saßen wir dann im Frühstücksraum, sozusagen zur Henkersmahlzeit. Diesmal habe ich mich extra zurückgehalten und nur wenig gegessen, damit der Magen nicht allzusehr belastet wird. Drei Brötchen mit Nutella/Honig und ein wenig Kaffee glaube ich. Zuschlagen kann ich auch noch morgen.
Um 7:15 Uhr sollte es dann endgültig losgehen. Nachdem die Marathonmesse gestern die reine Katastrophe war, hofften wir, dass es heute etwas weniger chaotisch zugehen würde. Leider wurde dieser Wunsch auch heute nicht erfüllt. Los ging es schon direkt vor dem Hotel, als wir genau wie gestern minutenlang auf die Tram warteten. Nach etwa 15 Minuten informierte uns ein freundlicher Autofahrer darüber, dass die Tram nicht fahren würde, weil es irgendwo auf der Strecke einen Unfall mit einem Auto gegeben haben soll. Na prima! Und jetzt? Die S-Bahn-Station, zu der uns die Tram bringen sollte, ist zum Glück nur drei Stationen entfernt, also hieß es wieder einmal laufen. Als ob ich später nicht noch genug laufen müsste! Immerhin kamen wir nach rund 15 Minuten dort an und mussten auch nur wenige Minuten auf die ebenfalls verspätete S-Bahn warten. Zu diesem Zeitpunkt hätten wir normalerweise schon am Startgelände sein sollen. Jetzt schien endlich alles gut zu laufen, meine Stimmung war jedoch schon jetzt recht weit unten. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, mit diesen Beinen überhaupt noch einen Marathon zu laufen. Denn das anstrengende Programm von gestern hatte ich immer noch in den Beinen.
An der Station Bornholmer Straße ging es dann plötzlich nicht mehr weiter, die S-Bahn fuhr nicht mehr los. Die Minuten vergingen und vergingen. Jetzt war es bereits nach 8:00 Uhr. Inzwischen war mir eigentlich endgültig klar: das wird nichts mehr. Bislang geht doch alles schief, was soll ich von dem Tag noch erwarten. Immerhin hatte ich gegenüber den meisten anderen Läufern den Vorteil, dass ich mich nicht bei der Kleiderabgabe anstellen musste, da wir ja zu zweit waren. Nach ca. zehn Minuten ging es dann doch noch weiter und gegen 8:20 Uhr erreichten wir dann tatsächlich den Einlass beim Reichstag. Jetzt hieß es sich schnell den langen Klamotten zu entledigen und die Adidas-Plastiktüte (sieht fast aus wie eine Mülltüte) überziehen um nicht zu frieren. Erstaunlicherweise war es aber gar nicht so kalt. Der Himmel war blau und die Sonne strahlte wie im Frühling. Um 8:30 Uhr verabschiedete ich mich von Michaela und begab mich auf den langen Gang zum Startblock D. Langsam besserte sich auch meine Stimmung wieder, denn was sollte jetzt noch schief gehen? Jetzt bin ich ja da. Um es vorweg zu nehmen, es ist auch nichts mehr wirklich Wesentliches schief gegangen, zum Glück.
Das Gedränge auf dem Weg zum Startblock war allerdings unbeschreiblich. Schnell verzog ich mich wie tausend andere noch einmal in die Büsche, um nicht am Ende noch während des Laufs anhalten und ein Dixi-Klo besuchen zu müssen
Danach folgte ich einfach der Läuferschaar, was am Ende des Tiergartens dazu führte, dass ich in der Höhe von Block A, also ganz vorne, auf die Strecke kam und aufgrund der Massen plötzlich nichts mehr weiterging. Die Menge stockte und so blieb mir nichts anderes übrig, als über die Absperrung in Block A zu springen und mich durch die bereits stark gefüllte Strecke fairer weise zu meinem Block D durchzukämpfen. Dort blieb ich allerdings dann auch gleich in der ersten Reihe stehen
Ich war ganz verwundert, als ich beim Blick nach vorne feststellte, dass es gar nicht sehr weit bis zur Startlinie sein konnte. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, als ich relativ weit hinten stand. So sollte es dann später auch nur 58 Sekunden dauern, bis ich die Startlinie überqueren durfte. Zurück in den Startblock, inzwischen war es ungefähr 8:50 Uhr. Um 8:55 Uhr entledigte ich mich meinem „Adidas-Müllsack“ und exakt um 9:00 Uhr schickte der Berliner Bürgermeister zusammen mit unseren Bundestrainer Jogi Löw unter lautem Getöse die Läufer auf die Strecke. Nun geht es also los, 10 harte Trainingswochen sollten heute doch eigentlich mit einer neuen Bestzeit belohnt werden:
Die ersten Meter geht es recht langsam voran, erst kurz nach der Startlinie ist es mir möglich, annähernd mein Tempo zu laufen. Kurz nach der Siegessäule kommt recht schnell schon das erste Kilometerschild, welches ich nach 4:42 min passiere. Also genau richtig. Die erste Hälfte möchte ich heute in 4:43 min/km absolvieren und die zweite Hälfte wenn möglich in 4:31 min/km. Das würde dann wirklich eine 3:15 ergeben, aber selbst wenn ich nur mit 4:43 min/km durchlaufe, komme ich noch auf eine Endzeit von knapp unter 3:20 h. Also keine Panik, nur nicht zu flott angehen. Ein Marathon ist lange, sehr lange. Und bei diesem Gedanken wird mir sogleich auch ganz anders. Wenn ich auf meine Beine achte… leer, total leer. Es geht nichts heute, aber auch gar nichts. Und dass schon nach nicht einmal zwei Kilometern. Ich schätze, dass geht nicht mal 20 km gut heute. Dieser verdammte Stress gestern und heute. Eigentlich möchte ich jetzt schon aufgeben. Auf so eine Tortur wie in Würzburg habe ich absolut keine Lust und schon gar nicht, wenn diese vermutlich schon nach 20 km beginnen wird. Ich sehe mich schon mit dem Handy am Ohr: „Ich komme mit der U-Bahn zurück“. Naja, warten wir es einfach ab. Die nächsten Kilometer ziehen sich genauso hin, und das leere Gefühl in den Beinen wird einfach nicht besser. Warum auch. Die Zeiten sind jedoch noch recht konstant, leicht zu schnell um die 4:40 min/km. Eigentlich fühlt es sich aber doch recht locker an, komisch. Wenn nur dieses dumme Gefühl nicht wäre. Kurz vor Kilometer 5 soll es das erste Mal zu trinken geben. Für heute habe ich mir vorgenommen nur reines Wasser zu trinken und später zu den Squeezy-Gels zu greifen. Aber zunächst müssen wir alle erst einmal auf die linke Straßenseite ausweichen. Rechts steht ein Polizist.“ Vorsicht Unfall!“ Bei einem kurzen Blick zur „Unfallstelle“ kurze Stille bei den Läufern. Ein Läufer liegt von einer Rettungsdecke bedeckt am rechten Straßenrand und wird wiederbelebt. Jeder weiß, dass so etwas immer wieder passiert, aber es ist schon ein seltsames Gefühl, direkt daran vorbei zulaufen. Ich hoffe, der Läufer hat es überlebt. Kurz danach taucht dann schon die erste Verpflegungsstation auf und so seltsam es klingt, die Eindrücke von eben sind fortan bis zum Ende des Rennens vergessen. Immerhin geht es mir inzwischen wesentlich besser, es fängt auf einmal an Spaß zu machen. Die 10 km-Marke passiere ich in 46:50 min. Jetzt fühlt es sich so locker an, wie es sein sollte. Kraft kosten aber immer wieder die Getränkestationen. Es ist ein ständiges Gedrängel, abbremsen und beschleunigen. Eigentlich habe ich gerade darauf überhaupt keine Lust aber getrunken wird heute wirklich alle 2,5 km. Ausnahmslos! Zum Glück ist es trotz der Sonne nicht so heiß und bis jetzt ist ein Großteil der Strecke im Schatten verlaufen.
Weiter geht es durch die Straßen von Berlin. Angetrieben von der tollen Stimmung verlaufen die nächsten Kilometer recht unspektakulär und auf einem hoch motivierten Niveau. Allem Chaos zum Trotz, eines muss man Berlin lassen: Die Stimmung an der Strecke ist Weltklasse. Ich kann mir schwerlich vorstellen, an einem anderen Ort einen Marathon genauso schnell zu bewältigen. Weniger schön ist hingegen die Masse der Läufer auf der Strecke. Es ist bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich möglich gewesen auch nur einigermaßen frei zu laufen. Verschlimmert wird dieser Zustand noch durch die Tatsache, dass ich irgendwo nach Kilometer 10 auf den 3:15 h-Tempoläufer aufgelaufe, hinter den sich natürlich eine ganze Meute an Läufern geklemmt hat. Überholen möchte ich jetzt aber noch nicht, so ein Kraftakt muss jetzt wirklich nicht sein. Dafür ist später noch Zeit genug. Deutlich leeren sollte sich das Feld erst ab ca. km 30, wenn das „große Sterben“ beginnt
)) Ich hoffe, ich bin nicht dabei…
Schon ist auch die 20 km-Marke in 1:33:31 h erreicht und schließlich auch das große Halbmarathon-Tor in 1:38:40 h. Jetzt heißt es sich zu entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt bin ich etwa 50 Sekunden schneller als geplant. Den 3:15er-Läufer muss ich jedenfalls endlich loswerden, in der Hoffnung davor etwas bessere Laufbedingungen vorzufinden. Und ab jetzt sollte ich eigentlich mein Tempo auf 4:31 min/km beschleunigen. Mit dem kleinen Vorsprung, den ich mir bereits erlaufen habe, würde ich aber auch mit 4:34 min/km gut hinkommen. Gesagt getan, trotz Bedenken verschärfe ich mein Tempo, was gar nicht so einfach ist. Nun heißt es erst recht überholen, denn vorher hatte man sich ja in einem Feld vorgefunden, welches in etwa das eigene Tempo gelaufen ist. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem mein persönlicher Marathon beginnt. Ich hatte mir vorgenommen, die innere Uhr ab der Halbmarathonmarke auf Null zurück zustellen, also so zu tun als ob ich jetzt beginne nur einen Halbmarathon vor mir hätte. Diese Denkweise hat mir in den langen Läufen im Training immer sehr geholfen. Also auf geht’s, nur noch 19 km! Das sage ich mir dann zwei Kilometer später, aber es fällt mir sehr schwer, das Tempo wirklich so hoch zu halten. Statt 4:31 min/km laufe ich eher um die 4:33 – 4:35 min/km. Ich traue mich auch nicht so recht, zu tief sitzen die Eindrücke aus Würzburg. Noch fühle ich mich aber sehr gut, die Beine sind auch noch nicht so schwer. Zwischen Kilometer 24 und 27 gibt es dann allerdings zum ersten Mal ein Problem mit meinem Forerunner 405. Ich werde das Teil in die Tonne kloppen und wieder zum 305er zurückkehren. Dieser verdammt Touch-Ring! Ich wusste ja, dass er empfindlich auf Feuchtigkeit reagiert und manchmal sozusagen abstürzt. D.h. er stoppt natürlich brav weiter aber die Anzeige ist unter Umständen verstellt und man kann die Gesamtzeit nicht mehr ablesen. Aber muss das ausgerechnet beim Wettkampf passieren? Kurzum, drei Mal ist mir das Teil eingefroren, ich musste einige Kilometer „blind“ ohne Zwischenzeiten laufen. Jedes mal hat es bis zu drei Kilometer gedauert, bis er wieder einsatzbereit war. Immerhin konnte ich mir dann die Kilometerzeiten im Kopf ausrechnen. Aber ständig hatte ich die Angst, ohne die Zeit bis zum Ende durchlaufen zu müssen. Was dann passiert wäre, weiß ich nicht. Vermutlich hätte ich aus Angst zu langsam zu sein beschleunigt und wäre einige Kilometer vor dem Ziel doch noch dem Hammermann begegnet. Als ob das nicht genug wäre, schaltete sich nach km 31 auch noch das GPS aus (wer weiß warum) und somit konnte ich auch meine aktuelle Pace nicht mehr kontrollieren. Egal, nehmen wir es halt wie es kommt. Laufe ich eben einfach so weiter. Immerhin habe ich einige Kilometer mit dem Stress verbracht und so gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht
30 km passiere ich in 2:19:14 h. Ein wenig habe ich nun an Boden verloren, bin aber immer noch gut in der Zeit. Nun ist es keine Stunde mehr bis zum Ziel. Hoffentlich! Allerdings hatte ich kurz vor dieser Markierung mit einem kleinen Hänger. Plötzlich ging fast nichts mehr. Ist das der „Mann mit dem Hammer?“ Das wäre sehr früh aber wundern würde es mich nicht wirklich. Jetzt sind aufbauende Selbstgespräche gefragt: „Denk an die langen Läufe und die vielen Kilometer im Training! Das ziehst Du durch, auf gehts!“ Nur wenige Meter später stelle ich erleichtert fest, dass es die ganze Zeit leicht aufwärts ging, was mir gar nicht aufgefallen war. Denn plötzlich läuft es wieder wie von selbst. Klar, die Beine werden schwerer, aber jetzt sind es nur noch 12 Kilometer, also eine übliche Trainingsrunde. Haha, dass man das nicht vergleichen kann weiß ich selbst. Aber selbst wenn ich jetzt auf einen 5er-Schnitt abfallen sollte, käme ich noch mit 3:20 h ins Ziel. Soweit will ich es heute jedoch nicht kommen lassen! Vielleicht wirkt auch das erste Squeezy-Gel welches ich bei km 25 eingenommen habe.
Immer mehr nervt mich nun die Getränkeaufnahme, fast kommt es mir so vor, als ob jeder nur noch drängelt um ohne Rücksicht auf andere an sein Wasser zu kommen. Danach wird oft mitten auf der Straße stehen geblieben um zu trinken. Bei mir gibt es so etwas nicht. Becher in die Hand und weiter geht’s. 10 Kilometer vor dem Ziel nehme ich das zweite und letzte Squeezy-Gel ein. Dann kommt Kilometer 34, also der Punkt, an dem es in Würzburg bergab ging. Heute läuft es wesentlich besser, die verbleibende Strecke erscheint nicht mehr endlos, auch wenn die Beine jetzt richtig schwer werden, die Atmung sich beschleunigt und das Tempo nur noch mit großer Willenskraft aufrecht zu halten ist. Aber das fühlt sich momentan richtig gut ab. Und ich denke, dass sieht man mir auch äußerlich an. Denn wenn ich um mich schaue, dann sehe ich schon einige Läufer, die gehen oder aufgeben. Überhaupt ist jetzt der Zeitpunkt des „Einsammelns“ gekommen
Nun werden nach und nach diejenigen kassiert, die sich übernommen habe. Vom Gefühl her bin ich nur noch am Überholen und das tut auch richtig gut. Ich werde heute ins Ziel kommen, definitiv! Und dass ohne großen Einbruch, dessen bin ich mir sicher. Leider beginne ich nun doch noch mit dem rückwärts zählen der Kilometer. Noch 7, noch 8, noch 6. Es zieht sich und es macht nicht mehr so richtig Spaß. Eigentlich könnte ich jetzt auch locker lassen. Ist es das Wert, diese Qual? Ich verliere jeden Kilometer ein paar Sekunden, laufe aber nach wie vor deutlich unter 4:40 min/km. Wäre doch auch nicht schlimm, wenn ich knapp über 3:15 h laufen würde, oder? Ich weiß nicht, ich laufe jetzt einfach mal so weiter, vielleicht reicht es ja doch noch oder ich ruhe jetzt ein wenig aus und laufe dann den letzten Kilometer unter 4 min
Jetzt kommen die letzten vier Kilometer und ich trinke das letzte Mal. Die nächste Station werde ich auslassen, das tue ich mir nicht mehr an. Jetzt werde ich auch nicht mehr verdursten. Ich mag nicht mehr. Warum wird das immer so eine Quälerei? Dennoch ist es viel besser als in Würzburg. Eigentlich ist es nicht schlimm, es tut halt einfach nur weh in den Beinen. „Mensch, denk an die 3:15“ sage ich mir. Wie lange sich doch vier Kilometer ziehen können. Zu allem Elend geht es jetzt auch noch einige kleine Steigungen hinauf. Wie ist die Zeit? Nur noch knapp 30 Sekunden Vorsprung, Werden die Abstände der Kilometerschilder immer größer? Ich werde doch nicht langsamer! Kilometer 40 passiere ich in 3:04:44 h, es müsste eigentlich reichen. Die Beine tragen mich noch, aber wer weiß, wie lange. Die Stimmung an der Strecke wird nun immer euphorischer. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr, man spürt, dass es auf das Ende zugeht. Nun kommt auch schon das Brandenburger Tor in Sichtweite, dann dürften es nur noch wenige Hundert Meter sein. Du hast es gleich geschafft! Und jetzt gibst du die 3:15 h auch nicht mehr her! Bloß nicht! Aber das verdammt Tor ist noch so weit weg. Warum kann man nicht einmal einen Marathon ohne diese Qualen absolvieren
Kilometer 42, noch 20 Sekunden Vorsprung. Und dass obwohl ich auf dem letzten Kilometer deutlich angezogen habe! Wie geht das denn! Diese Schilder stehen doch total falsch, was sich zu Hause bei der Auswertung auch betätigen wird. Angeblich bin ich km 41 in 4:23 min gelaufen, km 42 aber in 4:44 min. Und das, obwohl ich bei km 42 erst angezogen habe. Egal, ein Endspurt muss her. Immer wieder der bange Blick auf die Uhr. Das Ziel ist doch noch so weit. Auf der Zielgeraden sprinte ich nun fast. Es ist laut. Tausende Menschen schreien von den seitlich aufgebauten Tribünen. Aber es reicht, am Ende steht eine 3:14:40 h für mich zu Buche. Es ist geschafft! Einfach nur genial. Ein paar Sekunden später erhalte ich genau meine selbst gestoppte Zeit auch als offizielle Endzeit auf mein Handy. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Zuerst rufe ich Michaela an und berichte ihr von dem Erfolg, danach einen Lauffreund. Irgendwie ist das Ganze immer noch unrealistisch. Durch den ganzen Stress heute Morgen kommt es mir gerade so vor, als ob ich eben erst los gelaufen bin. Soll das alles gewesen sein, bin ich schon da? Kein krasser Einbruch? Wahnsinn! Ich habe die Medaille umhängen, also bin ich auch wirklich da. Und woher ich den gelben Plastikumhang habe, weiß ich auch nicht mehr so recht.
Als ich Michaela auf der Treppe des Reichstags treffe sind erstmal eine Umarmung und ein intensiver Austausch der natürlich völlig unterschiedlichen Eindrücke fällig. Während ich sozusagen blind, da hochkonzentriert durch Berlin gelaufen bin und überhaupt nichts mitbekommen habe, ist Michaela mit der Kamera quer durch Berlin gefahren und hat bei diversen Streckenpunkten viele tolle Fotos gemacht. Auch das Haile Gebrselassie mit 2:03:59 h einen neuen Weltrekord aufgestellt hat, habe ich hier mitbekommen. Schon der zweite Weltrekord in Berlin, bei dem ich selbst dabei war. Abschließend schießen wir noch ein paar Fotos und machen uns dann auf in Richtung Hauptbahnhof um etwas Kleines zu essen und anschließend die Heimreise ins Hotel anzutreten. Erstaunlicherweise fällt mir heute das Gehen nach dem Marathon gar nicht so schwer. Ein bisschen müde bin ich, ja. Aber es tut nichts weh und auch die Sehen und Knochen spüre ich überhaupt nicht.
Nach einigen ruhigen Stunden endete der Tag dann wieder abends mit einigen Gläsern Wein beim Griechen. Es war sehr lustig kann ich sagen
Aber wie zu erwarten war, mussten wir natürlich mit dem Taxi anreisen, da der Bus der BVG aufgrund eines Großbrandes nicht fahren konnte… das konnte die Freunde über den insgesamt gelungenen Tag aber auch nicht mehr trüben.
Mein Fazit ist also zweigeteilt. Mit meiner Zeit bin ich natürlich hochzufrieden und je mehr Zeit vergeht, desto unglaublicher kommt es mir vor, dass ich den kompletten Marathon in einem Schnitt von 4:36 min/km durchgelaufen sein soll. Auch die Veranstaltung an sich war wieder klasse. Die Zuschauer und die Strecke sind sensationell. Nirgendwo kann kam so schnell laufen wie in Berlin, zumindest theoretisch
Wer allerdings Platzangst hat, sollte den Berlin Marathon meiden. Es ist teilweise einfach zu voll; im Vorfeld und auch neben der Strecke. Ein freies Laufen ist so gut wie nicht möglich. Die Marathonmesse sollte auch so schnell wie möglich an den alten Ort zurückkehren. Und was die BVG angeht, darüber verlieren wir lieber kein Wort mehr… aber Michaela und ich, wir sind uns ziemlich sicher, dass wir nächstes Jahr wiederkommen. Spätestens wenn im Dezember die Anmeldung für 2009 möglich ist, wird es wieder zu kribbeln anfangen.
Zum Schluss die wohl noch beste Meldung des Tages: Montagmorgen stand in der Morgenpost zu lesen, dass der junge Mann, der bei km 5 kollabiert war gerettet werden konnte und sein Zustand stabil sei.