Nach drei anstrengenden Tagen und fünf Läufen zwischen ca. 14 und 18 km sind wir endlich wieder zu Hause. Es war anstrengend - schlimmer als ein Marathon - aber es hat sich absolut gelohnt! Es war eine völlig neue Erfahrung. Vor allem das zweimalige Laufen am Tag stellte für mich eine besondere Herausforderung dar. Auch hatte ich ja keine Vorstellung davor, in welchem Tempo man so einen Etappenlauf angehen sollte. Im Hinterkopf schwebte mir das Marathontempo von 4:24 min/km vor. Ganz dürfte ich diesen Schnitt am Ende nicht geschafft haben, aber bei diesem Streckenprofil ist das wohl auch kein Wunder. Am Ende war es richtig hart und ich war eigentlich nur noch froh im Ziel zu sein. Zu den Zahlen: Mein FR hat eine Gesamtstrecke von 78,83 km ausgemessen, der Veranstalter gibt eine Streckenlänge von 82 km aus. Wie auch immer, mit einer Zeit von 5:51:44 h hat es immerhin für Platz 53 von knapp 500 Teilnehmern gereicht. Hier meine ausführlichen Berichte:
Freitag 05.06.2009, Rotkäppchen-Etappe von Hanau nach Niederrodenbach:

Freitag Mittag sind wir in Erwartung des üblichen Freitagnachmittagsverkehrs recht früh losgefahren und hatten dadurch die Formalitäten recht schnell erledigt. Es blieben noch drei Stunden bis zum Start, die wir in der Innenstadt von Hanau in dieversen Gaststätten verbrachten. Für die erste und einzige flache Etappe hatte ich mir vorgenommen, ganz leicht schneller als das Marathontempo zu laufen, maximal 4:15 min/km. Vor diesen 15 km war mir absolut nicht bange, denn ich durfte und musste ja mit angezogener Handbremse laufen. Es würde also nicht mehr als eine lange Tempoausdauereinheit werden. Als der Start pünktlich um 17:30 Uhr auf dem Marktplatz erfolgte stürmten wir alle dann auch gleich in einem viel zu hohen Tempo nach vorne. Immer wieder musste ich mir sagen: Mach langsam, heute ist erst der Anfang! Dennoch lief ich weniger gegen die Uhr als nach meinem Tempogefühl. Das Tempo sollte fordernd aber nicht hart sein. Am Ende konnte ich sagen, dass ich zu keinem Zeitpunkt des Laufs müde Beine hatte. Die Strecke war vollständig aspahltiert und führte über diverse Fahrradwege neben Straßen und durch Waldgebiete. Das Wetter spielte heute auch mit, es dürften knapp unter 20 Grad bei Sonnenschein gewesen sein. Im Ziel in Niederrodenbach stoppte die Zeit bei 1:04:19 h, ein Schnitt von 4:10 min/km. Ich war selbst überrascht, wie wenig Probleme ich bei dem doch recht hohen Tempo hatte. Allerdings befürchtete ich natürlich in den nächsten Tagen enorme Probleme zu bekommen, weil das heute mehr Halbmarathontempo war als Marathontempo. Hoffentlich würde sich das nicht noch rächen. Ingesamt reiche es heute für den 64. Platz.
Nach dem Lauf ging es gleich weiter ins Hotel A66 in Gelnhausen. Da es dort auch einen Italiener gab, nahmen wir dort natürlich auch gleich unser kohlenhydratreiches Abendessen zu uns und fielen hinterher ziemlich müde ins Bett
Samstag 06.06.2009, Dornröschen-Etappe von Niederrodenbach nach Neuenhasslau

Die Nacht war kurz und unruhig. Wie immer war ich total nervös und lag mit Herzklopfen im Bett. Naja, 5 Stunden Schlaf müssen heute einmal ausreichen. Körperlich fühlte ich mich eigentlich ganz gut. Kein Wunder, war ja auch kein richtiger Wettkampf gestern
Heute sollte die Strecke wesentlich schwieriger weil hügeliger werden. Auch der Blick aus dem Fenster war nicht gerade erbaulich: Regen, Regen, Regen bei Temperaturen unter 10 Grad. Was also anziehen? Ich entschied mich für die längere Variante.
Nach einem sehr guten Frühstück - vermutlich wieder einmal viel zu viel - machten wir uns auf nach Niederrodenbach, wo es immer noch wie in Strömen regnete. So wenig Lust wie in diesem Moment hatte ich wohl in keinem Moment an disem Wochenende. Als es auf die Strcke ging, waren dise Sorgen allerdings schon wieder vergessen. Die Aufmerksamkeit war nun auf die Beine gelenkt. Fühlte sich das komisch an! Das Tempo von 4:24 min/km war anfangs zwar absolut haltbar aber die Beine waren schon etwas leer. Die Etappe sollte zwar nur 14 km lang sein, dafür erwartete uns aber ein steiger Anstieg bis ca. km 8. Da die Strecke auch noch über Waldboden ging, dauerte es nur wenige Minuten bis man keine Lust mehr hatte, den Pfützen und dem Schlamm auszuweichen. Eine Steigung hatte es besonders in sich; sie war so steil, dass traben kaum noch möglich war. Seit dem heutigen Lauf weiß ich jedenfalls, dass man am Berg nicht versuchen sollte, Zeit gut zu machen. Das kostet zu viel Kraft. Man braucht einfach Geduld und sollte nicht auf die Zeit schauen. Irgendwann geht es auch wieder abwärts. So ging es dann die letzten 4 km auch stetig nach unten, so dass man noch ein wenig Zeit gut machen konnte. Völlig durchnässt und etwas schockiert ob der Tatsache, dass ich meinen angepeilten Schnitt mit 4:26 min/km bereits beim zweiten Lauf verfehlt hatte, kam ich nach 1:00:34 h in Neuenhasslau an, wo auch schon meine Frau auf mich wartete. Schnell packten wir die Sachen und ab ging es ins Hotel duschen. Lust auf den Nachmittag hatte ich in disem Moment absolut Null. Immerhin heute Platz 64 und insgesamt Platz 59.
Samstag 06.06.2009, Schneewittchen-Etappe von Neuenhasslau nach Gelnhausen

Vor dieser Etappe war meine Stimmung wirklich auf dem Tiefpunkt. Nach der Regenschlacht von heute morgen stand mir der Sinn nach allem anderen als Laufen. Über Mittag hatte ich mich zwar ein wenig ausgeruht aber an Schlaf war auch nicht zu denken. So haben wir noch einen kleinen Einkaufsbummel gemacht und den Rest der Zeit im Hotel verbracht. Immerhin hatte es inzwischen aufgehört zu regnen. Beim Warmlaufen in Neuenhasslau war ich mir ziemlich sicher, dass ich dei folgende Etappe nicht überstehen würde. Ich fühlte mich dermaßen schlapp und hatte Schmerzen in den Achillessehnen, Hüfte und Leiste. Das konnte ja nicht gut gehen. Zumindest nicht mehr in diesem Tempo. Um 16:30 Uhr ging es dann los auf die wiederrum hügelige Strecke. Die ersten Kilometer verliefen erstaunlich gut, bevor es wieder kilometerlang leicht nach oben ging. Diesmal versuchte ich keinen Druck mehr zu machen, was ganz gut gelang. So ein Lauf ist ja lang. Der folgende kilometerlange Abstieg fühlte sich eigentlich ganz angenehm an. Nicht zu steil, genau richtig um schön flott zu laufen, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Schlimm empfand ich dann nur die letzten drei, vier Kilometer als die Beine doch ganz schön schwer wurden. Im Stadion in Gelnhausen kam ich dann genau mit meiner Wunschgeschwindigkeit von 4:24 min/km an. 1:08:47 h für 15,59 km. Platz 62 und insgesamt Platz 60. Inzwischen war meine Laune auch wieder deutlich besser. Für den morgigen Tage würde ich mir auch vornehmen, nicht mehr ganz so auf die Zeiten zu schauen. Der Kräfteschwund war heute schon deutlich spürbar. Jetzt ging es mir erst einmal ums ankommen.
Abends im Hotel kam zunächst einmal die große Müdigkeit. Eiegntlich wollten wir um 20:00 Uhr zur Läuferparty in die Stadthalle Gelnahausen gehen. Die Nudeln waren schließlich bezahlt. Leider sind wir beide eingeschlafen und als wir aufwachten, war es schon zu spät und wir so faul, dass wir nur noch kurz nach unten zum Italiener gegangen sind
Sonnatg 07.06.2009, Frau Holle-Etappe von Gelnhausen nach Wächtersbach

Die Königsetappe! Heute sollte es richtig weh tun… hörte man so im Vorfeld. Die heutige Nacht war besser, kein Wunder nach den ganzen Strapazen vom Vortag. Dennoch bekam ich wieder nicht mehr als 6 Stunden Schlaf. Das Frühstück war auch wieder zu spät und zu viel und so lag mir das Essen am Start noch ziemlich im Magen. Heute störte mich das allerdings weniger, denn ich wollte extrem vorsichtig angehen. Bis km 6 steig leicht aufwärts. Mein Schnitt lag nur bei knapp unter 5 Min/km. Danach ging es zwei Kilometer bergab, der Schnitt verbesserte sich auf 4:45 min/km. Aber dann kam wirklich der Hammer! Bis km 11,5 gab es zwei Mörderanstiege, die nur ganz langsam erklommen werden konnten. Bloß keine Kräfte vergeuden hieß die Devise. Viele Läufer sind hier auch einfach gegangen. Was war ich froh, als wir oben angekommen waren! Der Schnitt war wieder knapp unter 5:00 min/km gesunken. Der folgende Abstieg war aber auch nicht viel besser. Ich konnte kaum noch bremsen und wurde immer schneller und das auf dem matschigen Waldboden. Ein Wunder, dass hier niemand gestürzt ist. Abends hatte ich von dieser Bremserei ziemliche Schmerzen neben dem Schienbein. Eigentlich ging es bis zum Ziel nur noch abwärts. Insgesamt fiel mir die 4. Etappe aber nicht so arg schwer und so schlimm, wie manche sie darstellen, ist sie auch gar nicht. Man muss nur Geduld am Anfang haben. Aufgefallen ist mir auch, dass mein Puls nicht mehr richtig hoch ging. Trotz der vielen Steigungen. Vielleicht war ich zu langsam
Dennoch erreichte ich heute Morgen Platz 54 und konnte mich in der Gesamtwertung auf den 53. Platz verbessern. Scheinbar erging es heute einigen anderen wesentlich schlechter als mir. Ergebnis: 16,71 km in 1:17:20, Schnitt 4:37 min/km
Sonntag 07.06.2009, Hänsel und Gretel-Etappe von Bad Orb nach Steinau an der Straße

Über Mittag mussten wir mit dem Auto von Wächtersbach in den Kurort Bad Orb fahren. Das Wetter war inzwischen richtig angenehm und sonnig. So saßen wir eine ganze Weile vor der dortigen Turnhalle und genossen die Pausenverpflegung. Den Rest der Zeit verbrachten wir mit kurzen Spaziergängen und Lesen im Auto. Inzwischen tat mir wirklich jede Stelle am Körper weh, aber da aich mir keinen Druck mehr machte, fürchtete ich die Schlussetappe auch nicht mehr wirklich. Noch 18 km und dann war es vorbei. Eine kurze, starke Steigunga am Anfang und dann flacher Streckenverlauf. Das sollte eignetlich kein Problem sein. Vielleicht würde ich auch nochmal eine Zeit unter 4:30 min/km hinlegen können.
Pünktlich zum Start begann es leider wieder zu regnen und das obwohl ich zum ersten Mal an diesem Wochenende die ganz kurzen Sachen ausgepackt hatte. Nach einem Kilometer ging es dann tatsächlich eine unendliche 1,3 km lange Steigung nach oben mit einem Höhenunterschied von 150 Metern. Am Gipfel hatte ich nur noch einen Schnitt von 5:21 min/km! Das war richtig heftig und würde sich am Ende wirklich rächen. Bergab konnte ich wieder aufholen auf einen Schnitt von 4:33 min/km. Aber dann war es auch schon recht bald vorbei mit den guten Vorsätzen. Spätestens ab km 8 waren die Beine so leer, dass fast nichts mehr ging. Jeder Hügel, jede Beschelunigung war ein reiner Kraftakt. Und das erging allen so. Überholvorgänge dauerten Minuten und wenn jemand an einem selbst vorbeiziehen wollte, hatte man keine Kraft mehr mitzuziehen, obwohl man wollte. Immerhin bin ich nicht wirklich eingebrochen und konnte in Steinau unter lautem Getöse das Ziel mit einem Schnitt von 4:36 min/km erreichen. Wobei ich tatsächlich die letzten beiden Kilometer nochmals schneller geworden bin. Ich glaube, ich wollte nicht noch überholt werden
Ganz am Ende hat es dank der tollen Zuschauer sogar noch zu einem Endspurt gereicht. Endlich angekommen dachte ich mir nur noch. 17,48 km in 1:20:29 h. Platz 54, insgesamt 53.
Abschließend kann ich sagen, dass es unendlich viel Spaß gemacht hat. Aber es ist auch eine große Qual. Man muss oft mit sich selbst kämpfen, zumindest wenn man an seine Grenzen gehen möchte. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal bei diesem Lauf starten werde, denn heute tut mir alles weh
Und es ist ein enormer organisatorischer Aufwand. Vielleicht mache ich das ganze auch wirklich nur mal zum Spaß, ganz ohne Zeitambitionen. Ich kann diesen Lauf aber jedem nur empfehlen, man muss einfach mal dabei gewesen sein. Man trifft viele nette Leute und fährt mit einem befriedigenden Gefühl nach Hause.